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Gregor Heilmaier, Selbstorganisation, Unternehmenskultur, Strukturerlebnis

Ihr Team auf dem Weg zur Selbstorganisation

Irritationen können für Impulse sorgen. Davon bin ich überzeugt. Wenn ich nämlich mein Credo „Ich kenne nicht den Weg, ich gehe einfach los.“ verlautbare, sind die Leute oft irritiert. Aber damit auch aufgeschreckt, wachgerüttelt – und offen für einen neuen Impuls. Sie denken zunächst oft kopfschüttelnd: „Der Heilmaier geht also planlos los und schaut einfach, was passiert. Na toll!“ 

Aber so ist es natürlich nicht! Es gibt immer einen Plan dahinter, eine Methode, nach der ich losgehe. Und das sollte auch für Ihr Team gelten. Ihr Team, das sich auf dem Weg zur Selbstorganisation befindet.

Der Clou der Digitalisierung 

Wenn ich über Teams spreche, die sich auf diesem Weg befinden, dann ist das der Clou hinter all der Digitalisierung und all den agilen Ansätzen: dass Teams es schaffen, sich selbst zu organisieren. Dass sie es mit sich selbst ausmachen, was sie organisieren und wie sie es organisieren wollen. 

Teams finden eine gemeinsame Antwort darauf, nach welchen Prinzipien sie arbeiten wollen. Dass dieser Prozess anspruchsvoll ist, werden Sie wahrscheinlich aus Ihren Erfahrungen bestätigen können. Zweifelsohne müssen Teams in einem solchen Prozess viele Belastungsproben bestehen – und viele Teams scheitern an den Hürden, die sie auf dem Weg hin zur Selbstorganisation überwinden müssen. Dem möchte ich mit meiner Arbeit entgegenwirken. 

Lasst mich in Ruhe arbeiten!

Wenn ich mit dem Thema „Selbstorganisation“ in Unternehmen gehe und mit meinen Mandaten spreche, begegnet mir fast immer das Gleiche. Das Team, das ich vorfinde, ist auf dem Weg hin zu mehr Selbstorganisation in zwei unterschiedliche Lager zerfallen. 

Auf der einen Seite stehen die Mitarbeiter, die nach wie vor von der Idee fasziniert sind. Da heißt es dann immer noch: „Hey, wir müssen das jetzt selbst machen! Mal schauen, wie wir das hinkriegen … Wir bekommen das schon hin, gemeinsam zu Entscheidungen zu finden!“ 

Auf der anderen Seite sind diejenigen, die entweder von Anfang an skeptisch oder negativ eingestellt waren oder die im Zuge des Prozesses begonnen haben, abzuwinken: „Was sollen denn diese ganzen Diskussionen?! Lasst mich in Ruhe arbeiten! Wir können nicht alles in der Gruppe ausdiskutieren!“

Gerade letztere Strömung ist für das Gelingen des Prozesses sehr wichtig, weil sich hier ein Kernproblem des Weges hin zu mehr Selbstorganisation zeigt: Im Vorfeld wird unterschätzt, wie anstrengend der Weg ist. Alle denken, Selbstorganisation ist cool, aber wenn es dann um die Entscheidungsfindung in einem Team geht, dann zeigt sich, wie schwierig dies sein kann. Und dann heißt es: „Nee, nicht schon wieder reden …“.

Aber hier liegt ein Missverständnis vor, und dieses Missverständnis ist die wichtigste Hürde, die übersprungen werden sollte. Das Bild, das viele dabei von Selbstorganisation im Kopf haben, ist der Wechsel von einem Extrem ins andere, von einer autoritären Welt in eine antiautoritäre – und in der geschieht gar nichts mehr, außer Gerede: „Wir quatschen uns zu Tode!“ Und was passiert? Der Ruf nach dem Entscheider wird laut. Der Prozess wird abgebrochen.

Doch es geht nicht um Reden um des Redens willen. Das ist das Missverständnis, das natürlich nicht von ungefähr kommt (angesichts der vielen Meetings, Besprechungen, die wirklich unnötig sind). Es geht um einen echten Diskurs. Es geht um eine Chance! 

Teams erhalten die Möglichkeit, zu erleben, wo sie stehen – und selbst zu bestimmen, wo es hingehen soll. Darum geht es bei meinem Spruch „Ich kenne nicht den Weg, ich gehe einfach los“: Kein planloses Loslaufen, sondern Offenheit für das Team – und den Weg, den es gehen möchte. Und natürlich eine Methode, nach der das Team arbeitet; doch das Team kann immer wieder neu entscheiden, nachjustieren.

Strukturerlebnis ermöglichen

In Unternehmen besteht die konkrete Herausforderung darin, die beiden Gruppen von Mitarbeitern an einen Tisch zu bringen, zwischen den beiden konfligierenden Haltungen zu vermitteln – und den gemeinsamen Prozess zu starten. 

In einem ersten Schritt geht es also darum, die auftretenden Spannungen zwischen den beiden Positionen auszuhalten. Das ist oft nicht leicht! Allzu verlockend ist da oft der Weg zurück ins Alte, weil der neue Weg so steinig scheint. Ermunterung tut hier not – und die Förderung der Einsicht in das oben skizzierte Missverständnis. Dann geht es in einem zweiten Schritt um den Diskurs, in dem Argumente für und wider die Strukturen gefunden werden, die etabliert werden sollen. 

Am Anfang stehen ganz kleine Schritte als konkrete Ergebnisse der etablierten Strukturen. Alles, was danach kommt, jede weitere größere Entscheidung und damit jeder weitere größere Schritt, baut auf den ersten Schritten auf. Das ist das Strukturerlebnis im Team, das sich seinen ganz eigenen Weg ebnet. Das ist Selbstorganisation. 

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