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Gregor Heilmaier, Businessmodell, Quelle

Wenn Ihr Businessmodell Ihnen zum Verhängnis wird

80 Jahre Unternehmensgeschichte mit klarem Businessmodell, 256.000 qm Lager- und Bürofläche am Hauptsitz Fürth, europaweit 8.000 Mitarbeiter, ein Katalog mit einer Auflage von rund acht Millionen Exemplaren. Wenn Sie diese Zahlen auf dem Papier lesen, sind sie schon wirklich beeindruckend, nicht wahr?

So dachte ich jedenfalls, als ich mich vor zwei Wochen aufmachte, um mir das alte Areal des Quelle Versandhandels in Nürnberg anzuschauen. Wie konnte es passieren, dass ein derart erfolgreiches und etabliertes Unternehmen vor zehn Jahren in die Insolvenz gehen musste?

Ganz einfach: Quelle beging damals einen klassischen Managementfehler. Einen Fehler, vor dem auch andere deutsche Unternehmen – sowohl im Mittelstand als auch etablierte Großkonzerne – nicht gefeit sind.

 

Das starre Businessmodell

Oder schlimmer noch: dem zum Opfer zu fallen derzeit viele deutsche Unternehmen Gefahr laufen. Denn so klar das Businessmodell von Quelle  zu sein schien, so betagt und beschränkt war es auch. Während das Unternehmen seine Kompetenzen in Versand und Logistik aus dem Effeff beherrschte und immer weiter optimierte, hatte der Vorstand es verpasst, das Businessmodell regelmäßig zu überprüfen und es den aktuellen Herausforderungen anzupassen.

Heute sind wir in einer ganz ähnlichen wirtschaftlichen Lage wie vor zehn Jahren. Und wieder muss ich in vielen Gesprächen mit Unternehmern, Kollegen und Wirtschaftsstudenten feststellen: Vielen ist die Gefahr noch nicht bewusst. Oder zumindest noch nicht die enorme Tragweite. Die Wirtschaftsdynamik lässt nach, die USA spielen mit dem Zölle-Feuer, China ist bereits angeschossen, rückt militärische Stärke in den Vordergrund und erlebt seit ein, zwei Jahren bereits Leerstände wie auf dem Areal von Quelle. Chinesische Unternehmen kommen in die Bredouille, greifen zu kreativen Maßnahmen, um Mitarbeiter kurzfristig loszuwerden – so überlässt ein dortiger Automobilhersteller über 3.000 Mitarbeiter für 3 Jahre dem einheimischen Uber-Konkurrenten als Chauffeure. Und auch bei uns in Deutschland folgen gerade den Kurzarbeitern die ersten Entlassungsankündigungen. So wollen Continental und auch Schaeffler hunderte Stellen abbauen. Und ich könnte Ihnen noch viele weitere aktuelle Beispiele nennen.

Die wirkliche Tragweite

Als eines der größten deutschen Versandhäuser bekannt, wiegte sich Quelle bis kurz vor der Insolvenz in Sicherheit. Doch mit der Idee, dass die Menschen ja immer Waren benötigen würden und man ihnen einfach nur weiter den Katalog zuschicken muss, können Sie eben nicht für nachhaltigen Erfolg sorgen. So brach das eingeschränkte Portfolio und die enge Aufstellung auf dem rein deutschen Markt Quelle schließlich das Genick. Sie hatten den Zeichen der Zeit, neu aufgekommenen branchenfremden Wettbewerbern und der Wirtschaftskrise nicht genug Bedeutung geschenkt. Und nicht frühzeitig in eine Neuorientierung und ein aktuelles Businessmodell investiert.

Umso gespenstischer war dann mein Eindruck vor Ort: Die teilweise unter Denkmalschutz stehenden Räumlichkeiten bei Quelle waren eigentlich nahezu perfekt. Daran hätte auch ein Gigant wie Amazon nichts mehr überholen müssen. Denn wo Amazon damals Lagerflächen suchen und Versandzentren aufbauen musste, hatte Quelle diese bereits in Betrieb. Aber dass Amazon sich als echte Handelsplattform und nicht nur als Versandhändler verstand, ist damals am Quelle-Management einfach vorbeigegangen. Stattdessen wendete Quelle Best Practices und Benchmarking nur auf die eigene Branche an.

Jetzt ist die Zeit

Besonders beeindruckend wird mir dabei wohl das Dachgeschoss in Erinnerung bleiben: Wo noch vor zehn Jahren Camping- und Outdoorprodukte lagerten, macht sich heute wieder die Natur breit. Aus den Fugen sprießen inzwischen Gräser, junge Bäume sorgen für Schatten für alles, was kreucht und fleucht. Da lief mir richtig der Schauer über den Rücken.

Ich höre von vielen Unternehmern, die in den kommenden ein, zwei Jahren mit einem ruhigeren Geschäft rechnen. „Aber danach läuft’s wieder gut,“ sagen sie dann schnell. Das sehe ich völlig anders. Denn die Zeichen stehen ganz klar auf Veränderung: Es ist höchste Eisenbahn, dass Unternehmen aufhören, nur zu optimieren, was bisher funktionierte. Sie sollten stattdessen jetzt anfangen zu fokussieren, jetzt anfangen zu investieren, jetzt die Arbeitskraft, die aufgrund der ruhigeren Auftragslage nicht in Kundenprojekten gebunden ist, intern für die Suche nach neuen Möglichkeiten einsetzen. Und Ihr Businessmodell sowie die Art der Zusammenarbeit schnellstens fit für das Jahr 2019 machen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Entwicklung der Quelle mag als da als mahnendes Beispiel gehen: Der Niedergang kommt schneller, als man glaubt.

Wie steht es um Ihr Businessmodell?

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